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Die drei Entwicklungsstufen des Menschen

Das Leben auf dieser Welt dient dazu, durch erfreuliche und oft auch schmerzhafte Erlebnisse die Seele zur Entwicklung anzuregen. Jede Haltung, die ein Mensch den Herausforderungen des Lebens gegenüber einnimmt, hat dazu passende Erfahrungen zur Folge. Je nach dem, welche Schlüsse daraus gezogen werden, schreitet die Entwicklung voran oder stagniert. Versucht der Mensch zu verstehen, was ihm widerfährt, so kann er seine innere Haltung ändern, was ihn wiederum in Resonanz mit neuen Situationen bringt. Er hat einen Schritt vorwärts gemacht. Reflektiert er nicht, so wird er immer wieder ähnliche Erfahrungen machen, bis er sie eines Tages leid ist und bereit wird, sich innerlich zu bewegen. Manche schreiten schneller voran, manche langsamer und manche bleiben auch stehen. Wo jemand gerade steht, lässt sich an seiner Einstellung zum Leben ablesen. Man kann drei große Entwicklungsstufen unterscheiden.

1. Der Egoist „Mein eigenes Hemd ist mir am nächsten.”

Auf der ersten Entwicklungsstufe kümmert sich der Mensch nur um seine eigenen Bedürfnisse. Sein Denken kreist um seine kleine Welt. Er verhält sich nicht viel anders als ein Tier, das sich nur um die naheliegendsten Bedürfnisse kümmert. Im Mittelpunkt seines Denkens und Handelns steht sein persönliches Wohlergehen. Sein soziales Umfeld umfasst höchstens seine Familie und seine engsten Freunde. Alle anderen, die sich außerhalb dieses engen Kreises befinden, sieht er als Konkurrenten. Ihr Wohlergehen ist ihm im Grunde gleichgültig. Er sieht das Leben als Überlebenskampf. Erfolg wird in äußeren Maßstäben wie Einkommen, Haus, Auto und gesellschaftlichem Status bemessen. Man ist, was man hat. Auf dieser Entwicklungsstufe befindet sich die Mehrheit der Menschen. Sieh dich einmal um. Was ist es, was die meisten antreibt? Dabei ist es wichtig, nicht auf ihre Worte zu achten, sondern auf ihr Tun. Sie handeln nach dem Prinzip: „Das eigene Hemd ist mir am nächsten.“

2. Der Altruist „Ich will Gutes tun!”

Niemand ist gezwungen, auf dieser Stufe stehen zu bleiben. Oft sind es Schicksalsschläge oder das voranschreitende Alter, die zum Nachdenken anregen. Wer beginnt zu reflektieren, bewegt sich aus der ersten in die zweite Entwicklungsstufe. Das alte Weltbild wird zu klein. Der Job befriedigt nicht mehr. Ein seltsames Gefühl schleicht sich ein: „Da muss es doch noch mehr geben.“ Ein Interesse an übergeordneten Zusammenhängen entsteht. Man macht sich Gedanken über den Lauf der Welt, sieht, dass Vieles im Argen liegt. Der Wunsch, etwas zur Verbesserung beizutragen, erwacht. Viele auf der zweiten Entwicklungsstufe beginnen, sich sozial oder politisch zu engagieren. Man tritt einer Gemeinschaft bei, unterschreibt Petitionen, nimmt an Demonstrationen teil, meditiert für Mutter Erde. Das Bedürfnis, Gutes zu tun, rückt in den Mittelpunkt. Das Ich hingegen rückt zugunsten der Gemeinschaft, der Menschheit oder der ganzen Erde in den Hintergrund.

Menschen auf der zweiten Entwicklungsstufe wollen, bewusst oder unbewusst, dass die anderen und auch „Gott“ ihre Taten sehen. Sie halten sich selbst für die Guten und es kann passieren, dass sie auf andere hinunter schauen. Weil sie sich für bessere Menschen halten, meinen sie, moralischen Druck auf andere ausüben zu können. Unterschwellig wird vermittelt: „Wenn du dieses oder jenes nicht tust, bist du kein guter Mensch.“ Damit lässt sich Politik machen. Diejenigen, die bestimmen was als gut gilt, geben den politischen Kurs vor. Mit wahrer Güte hat das meistens jedoch wenig zu tun. Solange das Bedürfnis vorhanden ist, anderen sagen zu wollen, was sie zu tun oder zu lassen haben, spricht das Ego.

Der Gutmensch übersieht leicht, dass er bei all seiner Erhabenheit noch immer in irdischen Verwicklungen gefangen ist. Deswegen schickt ihm das Leben die nächsten ernüchternden Erfahrungen, die ihm dabei helfen sollen, aus seinem neuen Korsett auszubrechen. Wer sich lange genug sozial engagiert hat, wird erkennen, dass er gegen Windmühlen kämpft. Trotz großem Einsatz fällt die Ernte meist spärlich aus. Der Gutmensch muss sich eingestehen, dass er an der Verwirklichung seiner hochgesteckten Ziele gescheitert ist. Irgendwie scheint eine unsichtbare Kraft alle gut gemeinten Bestrebungen zu vereiteln. Gemeinschaften zerstreiten sich. Immer wieder stellen sich Individualinteressen den kollektiven Zielen in den Weg. Politiker, die es wirklich gut meinen, werden boykottiert und kommen nie an die Hebel, an denen sie etwas bewirken könnten. Irgendwie bleibt doch wieder alles beim Alten.

1971 veröffentlichte der Whistleblower Daniel Ellsberg die sogenannten Pentagon Papers. Diese geheimen Dokumente waren der Beweis dafür, dass die amerikanische Regierung den Vietnamkrieg hinter den Kulissen bewusst angeheizt hatte, obwohl sie in der Öffentlichkeit immer von einem Rückzug aus Vietnam sprach. Ellsberg wollte mit der Veröffentlichung der Pentagon Papers die Bevölkerung dazu bewegen, sich gegen den Krieg zu wenden, doch stattdessen wurde der offensichtliche Kriegstreiber Richard Nixon mit überwältigender Mehrheit erneut zum Präsidenten gewählt. Ellsberg überkam eine ernüchternde Erkenntnis. Er sagte:

„Leider lernte ich dabei etwas über meine Mitmenschen, das ich gar nicht wissen wollte: Dass sie zuhören, daraus lernen, es sogar verstehen und es dann aber weiter ignorieren.“

Das erklärt auch, warum sich die Wahrheit über den 11. September bis heute nicht durchsetzen konnte. Die Masse der Menschen bevorzugt die Lüge. Das ist eine schmerzhafte Lektion für alle, die sich aus Überzeugung für eine bessere Welt einsetzen.

3. Der Mystiker „Alles ist mit allem verbunden.”

Wenn sich diese Einsicht durchgesetzt hat, wird der Mensch reif für die dritte Entwicklungsstufe. Er erkennt, dass er die Welt nur verändern kann, wenn er sich selbst verändert. Also beginnt er dort den Hebel anzusetzen. Der gutwillige Mensch beginnt seine Motivation, die Welt zu verbessern, zu überdenken. Er richtet den Blick nicht mehr so sehr auf das Außen, stattdessen mehr auf das Innen. Mit fortschreitender Entwicklung wird ihm klar, dass er nicht dazu in die Welt gekommen war, um sie zu verbessern, sondern nur deshalb, um sich selbst zu verbessern. Er dringt noch tiefer in die Struktur der Wirklichkeit ein und entdeckt die unsichtbare Wirklichkeit hinter der sichtbaren Welt. Er wird vom Egoisten und Altruisten zum Mystiker.

Der Egoist war noch davon überzeugt, dass er allein gegen die Welt wäre. Der Mystiker sieht, dass auf geistiger Ebene alles mit allem verbunden ist.

Trennung ist eine Illusion.

Egoismus erscheint ihm daher absurd. Es geht ihm nicht mehr um sein Image. Es geht ihm um innere Qualität. Dafür lebt er, nicht für ideologische oder politische Ziele. Auch wenn sich der Mensch auf der dritten Stufe vom Aktionismus zurückzieht, so heißt das nicht, dass er sich von der Welt abwendet und isoliert. Auf tieferer Ebene fühlt er sich mit allem verbunden. Er ist sich seiner Verantwortung fürs Ganze bewusst. Er weiß, dass sein Sein zwar einen unscheinbaren aber dennoch beträchtlichen Einfluss hat. Denn er strahlt etwas aus, das andere viel tiefer berührt, als bloße Agitation.

Er sieht auch keinen Bedarf, Mutter Erde zu heilen. Die Erde kann sich gut um sich selber kümmern, wenn wir Menschen nur aufhören würden, sie permanent zu schädigen. Der Mystiker arbeitet an der Heilung seiner Seele. Indem er sich selbst heilt, übt er einen heilenden Einfluss auf alles aus, was mit ihm in Berührung kommt. Nur auf der dritten Stufe ist echte Heilung möglich. Die beiden unteren Stufen gehen immer mit Kampf und Verletzung einher.

Es geht ihm auch nicht mehr darum, gute Taten um der guten Taten willen zu vollbringen. Er richtet sich beständig auf das Gute in seinem wahren Selbst aus. Die Früchte, die daraus erwachsen, können nur gut sein. Auch der Mystiker engagiert sich in der Welt und nimmt die ihm übertragene Verantwortung gewissenhaft wahr. Er tut es nur aus einer ganz anderen inneren Haltung heraus. Er will nichts erzwingen und bringt das Gute mühelos hervor.

AltruismusEgoMystikPolitikPsychologie

Siegfried Trebuch

Siegfried Trebuch gehört keiner Religion oder spirituellen Tradition an. Nach einem einschneidenden inneren Erlebnis veränderte sich sein Leben grundlegend. Er entdeckte eine Kraft in sich, die ihm dabei half, Frieden und Erfüllung zu finden. Seine Erkenntnis: Jeder Mensch trägt dieses schlummernde Potential positiver Energie in sich. Wer lernt, diese Kraftquelle zu erschließen, wird in der Lage sein, dauerhaft ein Leben in Glück und Freiheit zu führen.

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Lieber Siegfried,

    herzlichen Dank für diesen wunderbaren Beitrag, welcher wieder absolut stimmig ist!
    Da ist erneut alles auf den Punkt gebracht. Sehr ansprechend aufbereitet, einfach bereichernd. VIELEN DANK!

    Alles Liebe und herzliche Grüße,
    Elfriede

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