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Macht Spiritualität gesund?

In esoterischen Kreisen ist der Glaubenssatz: „Ein spiritueller Mensch muss immer gesund sein, sonst stimmt mit ihm spirituell etwas nicht“, weit verbreitet. Dabei wird vom Prinzip ausgegangen, dass jede Krankheit eine seelische Ursache hat. Das heißt im Umkehrschluss: Wenn jemand an einer Krankheit leidet, ist er auch seelisch krank und sollte sich gefälligst um seine Themen kümmern. Ein wahrhaft spiritueller Mensch müsste sich immer perfekter Gesundheit erfreuen. Ob das tatsächlich so stimmt, wollen wir uns jetzt genauer ansehen.

Dass der Seelenzustand sich auf die körperliche Gesundheit auswirkt ist in der Spiritualität seit Jahrtausenden bekannt. Das weiß inzwischen auch die Medizin, die dieses Phänomen Psychosomatik nennt. Wenn jemand unter Stress, Angstzuständen oder Depressionen leidet, so kann sich das auch in konkreten körperlichen Symptomen äußern. Die Durchblutung, der Stoffwechsel, das Immunsystem und andere Körperfunktionen werden nachhaltig beeinträchtigt, so dass Krankheiten die Folge sein können.

Heißt das aber auch, dass alle Krankheiten eine seelische Ursache haben müssen? In esoterischen Kreisen ist dieser Glaube weit verbreitet. Dabei wird übersehen, dass es auch zahlreiche externe Faktoren gibt, die Krankheiten auslösen können. So können zum Beispiel eine unvorteilhafte genetische Veranlagung oder Umweltgifte in Nahrung und Luft zu Erkrankungen führen. Hier liegt der Auslöser nicht im seelischen Bereich. Dazu kommt noch, dass das Immunsystem einem Alterungsprozess unterliegt. Der Schutz gegen Infektionen nimmt ab. Die Folge ist ein höheres Erkrankungsrisiko im Alter. Das lässt sich zwar mit einer starken Psyche verzögern, aber nicht vermeiden.

Jeder, auch der spirituelle Mensch, muss sich damit abfinden, dass der physische Körper seinen eigenen Lebensweg geht. Erst ist er jung, wächst und gedeiht, erreicht seinen Zenit und wird von dort an schwächer, bis er eines Tages sein Ende findet. Das ist ein Fakt, den es zu respektieren gilt. Für das Ego mag das ein Problem darstellen, will es doch immer jung, attraktiv und stark erscheinen. Aus Sicht des wahren Selbstes ist das kein Problem. Ihm geht es um seelische Entwicklung. Der Körper dient nur als Mittel zum Zweck. Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Menschen gerade in Phasen von Krankheit die größten seelischen Fortschritte machen.

Bei einem Blick in die Biographien großer spiritueller Meister wird deutlich, dass viele von ihnen unter beträchtlichen körperlichen Einschränkungen litten. Die Schlussfolgerung, einen seelisch hochentwickelten Menschen erkenne man an seiner körperlichen Gesundheit, ist also eindeutig falsch. Dieses Denken stammt nicht aus dem wahren Selbst, sondern aus dem Ego. Spiritualität wird oft für egoistische Zwecke missbraucht oder mangels besseren Wissens missverstanden. Ginge es nach dem Ego, müssten Krankheit, Alter und Tod abgeschafft werden. Es gibt tatsächlich Leute die meinen, der Tod wäre eine Krankheit und die Menschheit müsste davon geheilt werden. Das hat mit Spiritualität nichts zu tun. Alter und Tod sind keine Krankheiten. Sie sind die physische Seite eines metaphysischen Entwicklungsprozesses.

Für einen wahrhaft spirituellen Menschen geht es in erster Linie immer um seelische Gesundheit und manchmal kann körperliches Leid sehr viel zur seelischen Gesundung beitragen. Wären wir immer gesund und hätten wir nie Schmerzen, welchen Antrieb hätten wir dann noch, an unserer Seele zu arbeiten? Wenn es uns an nichts fehlt, neigen wir zu Passivität. Die Seelenentwicklung stagniert. Deswegen schickt uns das Leben immer neue Herausforderungen. Sie sind nichts anderes als Chancen zur Weiterentwicklung.

Wenn wir krank sind, beginnen wir zu grübeln und zu forschen. Wenn wir die seelische Ursache gefunden haben, können wir an ihrer Behebung arbeiten. Wir können unsere Gewohnheiten und Glaubenssätze hinterfragen und korrigieren, was zu korrigieren ist. Einem psychosomatischen Leiden wird dadurch die Grundlage entzogen. Der Körper kann heilen. Das Wesentliche daran ist jedoch nicht die körperliche Heilung, wie der Mensch gerne annehmen mag, sondern der seelische Fortschritt durch die Bewusstwerdung des zugrundeliegenden Themas. Das körperliche Leiden wird zum Motor seelischer Entwicklung. Das Ziel von Spiritualität ist nicht körperliche, sondern seelische Heilung.

Was ist mit einem Menschen, für den Spiritualität oberste Priorität hat und der sich nicht davor scheut, seine Blockaden anzusehen und aufzulösen? Wird er sich immer perfekter Gesundheit erfreuen? Ein Blick in die Biographien großer spiritueller Meister zeigt, wie gesagt, dass dem nicht so ist. Auch sie waren vor Alter und Krankheit nicht gefeit. Das wiederum nimmt uns den Druck, immer „gesund sein zu müssen“, weil wir sonst nicht spirituell genug wären oder irgendetwas falsch gemacht hätten. Hinter einer hartnäckigen Krankheit kann sich eine wichtige Lernaufgabe verbergen. Wir lernen Geduld, Demut vor dem höheren Plan, Akzeptanz von dem, was nicht zu ändern ist.

Die Frage, ob Spiritualität gesund macht, lässt sich folgendermaßen beantworten: Auf seelischer Ebene macht Spiritualität, sofern sie richtig verstanden und angewandt wird, auf jeden Fall gesund. Auf körperlicher Ebene leistet sie einen großen Beitrag zur Gesundheit. Mit Hilfe von täglicher Meditation lässt sich das Immunsystem nachweislich stärken. Dadurch ist man weniger anfällig für Erkrankungen. Wer sich um seine seelische Gesundheit bemüht, entzieht psychosomatischen Erkrankungen den Nährboden. Ein positiver, angst- und sorgenfreier Mensch, der sich täglich mit stärkender Energie aus der göttlichen Ebene nährt, hat die besten Voraussetzungen für ein gesundes Leben. Sogar der Alterungsprozess kann dadurch verlangsamt werden.

Trotzdem altert auch der spirituelle Mensch. Auch das hat einen geistigen Hintergrund. Körperliche Einschränkungen setzen meist erst in der zweiten Lebenshälfte ein. Wir haben in der Jugend und im mittleren Alter die Möglichkeit, uns nach Belieben auszuleben, ohne uns viel Gedanken über die Beschwerden des Alters machen zu müssen. Die kommen erst später, was uns dazu antreiben soll, uns mehr um unsere seelischen Bedürfnisse zu kümmern. Das ist ein ganz nützlicher Mechanismus, der uns davor bewahrt, die spirituelle Seite des Lebens zu vernachlässigen. Im Alter können wir so aus der Not eine Tugend machen und körperliche Einschränkungen als Antrieb für seelische Entwicklung nutzen.

Körperliche Gesundheit sollte nicht Selbstzweck sein. Es ist gut und wichtig auf deine körperliche Gesundheit zu achten. Aber noch viel wichtiger ist es, dich um deine seelische Gesundheit zu bemühen. Den Körper mit all seinen Gebrechen wirst du eines Tages hinter dir lassen. Die Seele wirst du mitnehmen.

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Siegfried Trebuch

Siegfried Trebuch gehört keiner Religion oder spirituellen Tradition an. Nach einem einschneidenden inneren Erlebnis veränderte sich sein Leben grundlegend. Er entdeckte eine Kraft in sich, die ihm dabei half, Frieden und Erfüllung zu finden. Seine Erkenntnis: Jeder Mensch trägt dieses schlummernde Potential positiver Energie in sich. Wer lernt, diese Kraftquelle zu erschließen, wird in der Lage sein, dauerhaft ein Leben in Glück und Freiheit zu führen.

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