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Spiritualität und Wissenschaft

Spiritualität und Wissenschaft

Erstmals in der Geschichte der Physik wurde am 14. September 2015 eine Gravitationswelle gemessen. Sie wurde von zwei schwarzen Löchern ausgesendet und hat uns nach 1,3 Milliarden Jahren auf der Erde erreicht. Ich möchte diese bahnbrechende Entdeckung zum Anlass nehmen, um auf die Gemeinsamkeiten von Wissenschaft und Spiritualität einzugehen. Spiritualität wohnt eine Logik inne, die auf spirituellen Erfahrungen durch mehrere Jahrtausende hindurch beruht. Sie ist nicht im klassischen Sinne mess- und beweisbar, wie es die Naturwissenschaften erfordern. Sie ist jedoch eine Erfahrungswissenschaft, die jeder für sich selbst entdecken kann. Die auf individueller Ebene gewonnenen Erkenntnisse zeigen erstaunliche Übereinstimmung. Das lässt darauf schließen, dass wir auf Bewusstseinsebene gemeinsame Wurzeln haben. In der aktuellen geistesgeschichtlichen Entwicklung ist zu beobachten, wie sich Wissenschaft und Spiritualität immer mehr annähern. Grundlegende spirituelle Prinzipien decken sich mit Entdeckungen der modernen Physik und Kosmologie.

Das war nicht immer so. Ende des 19. Jahrhunderts schien die Welt der Physiker noch in Ordnung zu sein. Auf Raum und Zeit war Verlass. Sie waren klar getrennte physikalische Größen, die unbeeinflusst voneinander existierten. Beide waren konstant und stabil wie Monolithen. Sie bildeten das tragende Fundament, auf dem die Physiker ihre Theorien aufbauen konnten. Die äußere Welt der Objekte, die sich in Raum und Zeit befinden, erschien ihnen klar von ihrem Standpunkt als Beobachter getrennt. Es spielte keine Rolle, was der Wissenschaftler dachte oder fühlte, die Welt der Materie folgte ihren eigenen Gesetzen, unabhängig vom Auf und Ab der menschlichen Existenz. Alles schien so einfach und klar. An der Materiewelt hatte man etwas, woran man sich festhalten konnte. Aus der Sicht uralter spiritueller Lehren konnte dieses Weltbild nicht stimmen, denn eines ihrer grundlegenden Prinzipien lautet:

Alles ist mit allem verbunden. Nichts existiert vollkommen unabhängig von einander.

Das stellt einen klaren Widerspruch zum Weltbild des 19. Jahrhunderts dar. Entweder lagen die Physiker falsch oder die spirituellen Meister aller Zeiten und Kulturen irrten. Anfang des 20. Jahrhunderts betrat Albert Einstein die Wissenschaftsbühne. 1905 veröffentlichte er die spezielle Relativitätstheorie in seinem Artikel Zur Elektrodynamik bewegter Körper. Aus ihr folgt, dass es keinen absoluten Raum und keine absolute Zeit gibt. Stattdessen hängen Längen und Zeiten entsprechend der Lorentzkontraktion und der Zeitdilatation vom Bewegungszustand des Betrachters ab. Eine unerhörte Revolution, die die klassische Physik in ihren Grundfesten erschütterte. Was bisher als so absolut stabil galt, wurde nun dehn- und stauchbar. Dazu kommt noch, dass der Beobachter eine Rolle spielt, je nach dem, wie schnell er sich in Relation zum Beobachtungsobjekt bewegt. Plötzlich hängt es auch vom Menschen ab, wie sich die beiden Größen Raum und Zeit verhalten. Das Subjekt betritt das Reich des scheinbar Objektiven. Die Lücke zwischen Geist und Materie beginnt sich zu schließen. In der Spiritualität ist diese Erkenntnis eine Selbstverständlichkeit. Sie trennt nicht zwischen Subjekt und Objekt, wie es die klassische Physik und das allgemein vorherrschende Weltbild tut.

Einsteins Theorie hatte noch eine weitere Konsequenz, die die alte Physik auf den Kopf stellen sollte. Raum und Zeit konnten nicht mehr als voneinander getrennt betrachtet werden. Einstein verbindet sie in einer einheitlichen vierdimensionalen Struktur, der sogenannten Raumzeit. Raum und Zeit sind plötzlich zwei Seiten ein und der selben Medaille. So wird nicht nur der Mensch als beobachtendes Bewusstsein in die Formelwelt der Physik eingebunden, sondern auch fundamentale physikalische Größen untereinander verbunden.

Einstein hat damit nicht nur die Physik, sondern, ohne es zu beabsichtigen, das Weltbild des Menschen revolutioniert. Der Glaubenssatz „Hier bin ich und da draußen ist die Welt, die unabhängig von mir existiert“ gilt nicht mehr. Diese Tendenz, dass das beobachtende Bewusstsein eine immer größere Rolle in physikalischen Experimenten spielt, hat sich in den folgenden Jahrzehnten noch verstärkt. Die Erkenntnisse der Quantenphysik machten deutlich, dass die Messung, also das bewusste Beobachten eines physikalischen Vorganges, das Messergebnis beeinflusst. Deutlich wird das an Hand des Doppelspaltexperiments. Sind Detektoren zur Messung vorhanden, so verhalten sich die Photonen wie Teilchen. Entfernt man die Detektoren, erscheint wieder das Interferenzmuster und die Lichtteilchen verhalten sich wieder wie Wellen. Anders formuliert: Das Verhalten der Photonen hängt davon ab, ob wir sie beobachten.

Der Beweis für die tatsächliche Existenz von Gravitationswellen ist eine weitere Bestätigung für Einsteins Relativitätstheorie. Während diese Gravitationswelle die Erde getroffen hat, wurden auch Sie und ich minimal in Größe und Breite verzerrt. Sie werden es nicht bemerkt haben, aber dass es passiert ist, steht fest. Ein Ereignis, welches vor 1,3 Milliarden Jahren in einer Entfernung von 1,3 Milliarden Lichtjahren stattfand hat uns alle am 14. September 2015 unmittelbar betroffen.

Alles hängt mit allem zusammen oder anders formuliert, alles ist relativ. Für das Weltbild des Menschen zieht diese Erkenntnis gravierende Folgen nach sich, denn dadurch wird jedes Festhalten an der Außenwelt zu einer unsicheren Angelegenheit. Wir nehmen uns als sich ständig in Wandlung befindliche Wesen wahr. Unser Denken wandelt sich, unser Fühlen wandelt sich, unser Körper wandelt sich. Gleichzeitig tragen wir eine tiefe Sehnsucht nach Stabilität und Sicherheit in uns, doch wo sind diese zu finden? Bis Einstein gaben uns die scheinbar unverrückbaren Naturgesetze einen Halt. Wir waren davon überzeugt, dass die materielle Außenwelt unabhängig von unserem wankelmütigen Wesen existiert. Doch nun wird unser Verstand gezwungen zu akzeptieren, dass im Außen kein verlässlicher Halt zu finden ist. Wir sind also mehr denn je gefordert, uns auf die Suche nach innen, nach unserem wahren Selbst zu machen.

Wir befinden uns in einer sonderbaren Situation, die uns zum Nachdenken anregen sollte: Wir sind in eine Welt geworfen, die offensichtlich intelligent aufgebaut wurde, weil sie auf Naturgesetzen basiert, die schon immer da waren. Wir brauchten aber im Laufe der Menschheitsgeschichte ziemlich lange, um diese Gesetzmäßigkeiten zu entdecken und wir arbeiten noch immer daran. Wer entdeckt hier was? Die Spiritualität hat eine klare Antwort auf diese Frage:

In dem wir die Welt um uns entdecken, entdecken wir uns selbst, bis wir eines Tages realisieren, dass wir es auf einer hohen Bewusstseinsebene selbst waren, die das Universum mit allem was sich darin befindet, inklusive Raum und Zeit, erschaffen haben.

Auf Geschöpfesebene spielen wir sozusagen ein Versteckspiel mit uns selbst, bis wir eines Tages gewahr werden, dass wir selbst Schöpfer sind. Geschöpf und Schöpfer werden im Erleuchtungserlebnis eins. Darin gipfelt die individuelle spirituelle Entwicklung eines jeden von uns. Das anfänglich individualisierte Bewusstsein transzendiert seine Grenzen, um buchstäblich mit Allem-was-ist zu verschmelzen. In dieser Erfahrung findet jegliche Form von Trennung ihr Ende.

Über die letzten zirka 110 Jahre lässt sich beobachten, wie sich wissenschaftliche Erkenntnis Schritt für Schritt uralten spirituellen Prinzipien annähert. Ich bin mir sicher, dass sich dieser Prozess fortsetzen wird, wenn die Wissenschaftler sich treu bleiben und unvoreingenommen nach wahrer Erkenntnis streben. Wissenschaft und Spiritualität werden sich eines Tages harmonisch ergänzen, so wie das Licht in Form von Welle und Teilchen oder Raum und Zeit in Einsteins Raumzeit. So wie die Naturwissenschaft die Wissenschaft der Außenwelt ist, so ist die Spiritualität die Wissenschaft der Innenwelt.

PhysikSpiritualität

Siegfried Trebuch

Siegfried Trebuch gehört keiner Religion oder spirituellen Tradition an. Nach einem einschneidenden inneren Erlebnis veränderte sich sein Leben grundlegend. Er entdeckte eine Kraft in sich, die ihm dabei half, Frieden und Erfüllung zu finden. Seine Erkenntnis: Jeder Mensch trägt dieses schlummernde Potential positiver Energie in sich. Wer lernt, diese Kraftquelle zu erschließen, wird in der Lage sein, dauerhaft ein Leben in Glück und Freiheit zu führen.

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