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Leben wir in einer virtuellen Realität?

Leben wir in einer virtuellen Realität?

Ein ernsthaft suchender Mensch kommt nicht darum herum, sich Gedanken über das Wesen der Realität zu machen. Ist die Welt um uns herum alles was es gibt oder ist da noch mehr? Als Realität bezeichnen wir die Welt, die wir mit unseren fünf Sinnen wahrnehmen können, in der wir uns bewegen, leben und arbeiten. Für die überwiegende Mehrheit der Menschen existiert außerhalb dieser “Realität” nichts mehr. Jedoch ist es für einen Physiker ein Leichtes, diesen Realitätsbegriff in Frage zu stellen. Hier nur ein Beispiel von vielen: Das elektromagnetische Wellenspektrum umfasst eine große Bandbreite von der extrem kurzwelligen Höhenstrahlung bis zu den extrem langwelligen ELF-Wellen.

Elektromagnetisches Spektrum

Quelle: Horst Frank, Wiki Commons

Alle elektromagnetischen Wellen wie Radar, Röntgen, UKW, Infrarot, Ultraviolett und viele andere sind in diesem Spektrum zu finden. Für unsere Augen ist jedoch nur ein verschwindend kleiner Teil sichtbar. Der Rest ist zwar da, aber wir nehmen ihn nicht wahr. So benützen wir zum Beispiel täglich Handy, WLAN oder Fernseher, ohne jedoch die Wellen zu sehen, über die Handygespräche oder Fernsehprogramme übertragen werden. Unsere Augen vermitteln uns also nur einen kleinen Ausschnitt der Realität. Der Großteil der elektromagnetischen Realität entgeht uns völlig.

Stellen Sie sich vor, sie hätten die Augen eines Adlers oder einer Biene, mit denen Sie einen anderen Teil des Wellenspektrums wahrnehmen könnten. Die Welt würde für Sie komplett anders aussehen, obwohl sie sich im Grunde nicht verändert hat. Gleiches gilt für die Ohren, denken Sie zum Beispiel an die hoch sensiblen Wahrnehmungsorgane einer Fledermaus. Sie kann hochfrequente Töne hören, die für uns Menschen unhörbar sind. Fledermäuse sehen mit den Ohren. Unsere sinnliche Erfahrungswelt ist zutiefst subjektiv. Trotzdem verfallen wir sehr leicht der Versuchung, sie für eine objektive Realität zu halten. Albert Einstein formulierte dieses Paradoxon so:

Realität ist eine Illusion, allerdings eine sehr hartnäckige.
Albert Einstein

Stellen Sie sich vor, wie es wäre, wenn Sie tatsächlich in einer Scheinrealität leben würden. Wenn Ihnen das bewusst werden würde, würden Sie dann nicht ausbrechen wollen, um die ganze Wahrheit zu erfahren? Genau so ergeht es der Figur Truman im Film “Die Truman Show”. Falls Sie ihn noch nicht kennen, sollten Sie sich diesen Film unbedingt ansehen. Er vermittelt sehr anschaulich eine tiefe philosophische Wahrheit.

Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen eindeutig, dass unsere fünf Sinne uns lediglich eine Scheinrealität vermitteln, die mit der physikalischen Realität nur wenig gemein hat. Für alte spirituelle Traditionen ist das nichts Neues. Es ist seit Jahrtausenden Teil ihrer Lehren. In der indischen Mythologie wird die Scheinwelt durch die Göttin Maya (Sanskrit für Illusion, Zauberei) verkörpert. Maya stellt die Illusion des begrenzten, verblendeten Ichs dar, das die Realität als nur psychisch und mental versteht und das wahre Selbst (Atman) nicht erkennt. Um Erlösung (Moksha) zu erlangen, muss Maya überwunden werden. Wie das geht, wird in den verschiedenen Yoga-Wegen gelehrt.

Was die Inder Maya nennen, bezeichneten die alten Ägypter als den “Schleier der Isis”. Er verhüllt die Wahrheit, die der Suchende findet, wenn es ihm gelingt, Isis zu entschleiern. Im Christentum versperrt der Vorhang im salomonischen Tempel symbolisch den Blick auf das Allerheiligste. In dem Augenblick, in dem Jesus starb, “riss der Vorhang des Tempels von oben bis unten entzwei” (Mt 27,51). Durch sein Leben und seine Lehre wollte Jesus seinen Nachfolgern einen Weg zeigen, wie sie den Vorhang der Illusion durchtrennen und zur Wahrheit finden konnten.

Der moderne, naturwissenschaftliche Weg nach Wahrheit zu suchen, ist die Physik. Darin lag auch meine persönliche Motivation, Physik zu studieren. Diese Wissenschaftsdisziplin machte eine hochinteressante Entwicklung durch: Am Ende des 19. Jahrhunderts war man fest davon überzeugt, alle physikalischen Gesetze gefunden zu haben. Die sogenannte klassische Physik ist ein Weltbild der festen Materie und ihrer Gesetzmäßigkeiten, sozusagen eine Wissenschaft der Maya, denn die Welt wurde für objektiv und als vom Menschen klar getrennt betrachtet. Raum und Zeit waren unveränderliche Größen. Aber dann kam Einstein und brachte mit seiner Relativitätstheorie die Grundfesten der klassischen Physik ins Wanken. Plötzlich waren Zeit und Raum nicht mehr konstant. Zeit konnte sich dehnen oder verkürzen, Raum konnte sich krümmen. Das war ein Schock für die Physiker der alten Schule. Für sie brach ein scheinbar so stabiles Weltbild zusammen. Doch es kam noch schlimmer. Die Quantenmechanik brachte noch weitere seltsame Eigenschaften der physikalischen Realität ans Licht. Daraus entwickelte sich die moderne Physik, die heute die klassische Physik relativiert und ergänzt.

In der hervorragenden Dokumentation “Die Illusion der Wirklichkeit” werden einige grundlegende Erkenntnisse der modernen Physik sehr anschaulich dargestellt, über die man Bescheid wissen sollte. Hier können Sie die Doku in voller Länge sehen:

Im Doppelspaltexperiment verhalten sich Photonen ziemlich seltsam. Ein einzelnes Photon scheint sich auf magische Weise zu teilen, um sich dann gleichzeitig durch beide Spalten zu bewegen, aber das wirklich Verblüffende kommt erst: Stellt man Detektoren auf, so verhalten sich die Photonen wieder wie feste Kugeln. Dabei dienen die Detektoren lediglich zur Beobachtung des Experiments. Wie ist es möglich, dass bloße Beobachtung das Verhalten der Realität beeinflusst? Die Physiker können es nicht erklären, aber dass es sich so verhält, ist experimentell bewiesen.

In der Doku kommt auch Professor Leonard Susskind von der Stanford University zu Wort. Er hat die mittlerweile sehr ernst genommene Theorie aufgestellt die besagt, dass wir in einem Hologramm leben (Holographisches Prinzip). Selbst die physikalisch erfassbare Realität ist eine virtuelle Welt. Die moderne Physik kommt zu ähnlichen Schlussfolgerungen wie die jahrtausendealten spirituellen Traditionen.

Kommen wir zur wesentlichen Frage: Welche Konsequenzen haben die Erkenntnisse der modernen Physik für unsere menschliche Existenz? Die wichtigste Einsicht ist wohl die, dass es weit mehr gibt, als uns unsere fünf Sinne vermitteln. Langsam werden wir uns bewusst, dass wir in einer virtuellen Realität leben. Man könnte nun argumentieren, das dies keine Rolle spiele, weil wir ja alle im selben Boot sitzen. Warum also nicht gleich so tun, als wäre der Cyberspace real? Das Problem ist, dass wir uns so nur selbst belügen. Das vermittelt uns Unbehagen. Wir wollen die Wahrheit wissen. Wir wollen wissen, wer wir sind, woher wir kommen und wohin wir gehen.

Ein suchender Mensch möchte hinter die Kulissen blicken. Mit der Zeit kommt er dahinter, dass die Welt in der er lebt, einen doppelten Boden hat. Hinter der augenscheinlichen Realität gibt es noch eine weitere, verborgene Realität. Die altgewohnte virtuelle Realität empfindet er zunehmend als Gefängnis. Vieles darin verursacht ihm Leid. Deswegen begibt er sich auf die Suche nach einer Welt, in der er wahrhaft frei sein kann und kein Leid mehr zu befürchten hat. Er erkennt, dass er dazu seine Aufmerksamkeit von der Sinnenwelt weg hin zu einer innenliegenden geistigen Welt richten muss. Die physische Welt tritt in den Hintergrund und er taucht ein in die unendliche Welt des Geistes. Dort lässt er alles Leid hinter sich und findet wahre Erfüllung. Er hat Isis entschleiert.

BewusstseinEinstellungFreiheitRealitätWissenschaft

Siegfried Trebuch

Siegfried Trebuch gehört keiner Religion oder spirituellen Tradition an. Nach einem einschneidenden inneren Erlebnis veränderte sich sein Leben grundlegend. Er entdeckte eine Kraft in sich, die ihm dabei half, Frieden und Erfüllung zu finden. Seine Erkenntnis: Jeder Mensch trägt dieses schlummernde Potential positiver Energie in sich. Wer lernt, diese Kraftquelle zu erschließen, wird in der Lage sein, dauerhaft ein Leben in Glück und Freiheit zu führen.

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